Gosch Sylt
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Die Gosch Story – Jeder ist prominent

Es fängt alles damit an, dass Jürgen Gosch keinen Schnaps verkaufen darf. Genauer betrachtet, erinnert es ein wenig an die legendenhafte Entstehung des Pharisäers, einem alkoholhaltigen Kaffee, der dem örtlichen Pfarrer untergejubelt wurde.
Wie viele Sylter der älteren Generation, kam er als Arbeiter auf die Insel und erfasste die Chance, einen kleinen Laden zu eröffnen. Den trug er zunächst buchstäblich um den Bauch. Er verkaufte Krabben, merkte jedoch bald, dass die Schalentiere alleine nicht wirklich lukrativ waren und stockte sein Sortiment mit geräucherten Aalen auf. Als dann die ersten Kunden fragten, ob er auch Fischbrötchen hätte, „vergrößerte“ er sich erneut. Doch da hatte er die Rechnung ohne das Ordnungsamt gemacht, denn Brötchen war ja was ganz anderes als frischer Fisch. Dafür brauchte er einen festen Verkaufsstand. Die Gemeinde wies ihm daraufhin die erste Verkaufshütte zu.
Nach fünf Jahren als fliegender Händler eröffnete er also seine eigene Fischbude. Und dann kam so etwas wie die Initialzündung, die sein Imperium begründete. Kunden wollten zu den leckeren Aalbrötchen auch ein Getränk bestellen. Ein Bier oder gar einen Korn.
Doch es gab keine Konzession zum Alkoholausschank. Wieder war „Jünne“ den Behörden ein Dorn im Auge. Jürgen Gosch wäre nicht, was er heute ist, hätte er nicht schnell eine kreative Lösung für das Problem gefunden. Mit schalkhaft blitzenden Augen erzählt er, dass er daraufhin die „Wahre Fischsuppe“ verkauft hat. Diese bestand aus reinem Korn mit ein wenig Zitronenbrause und ein paar Krabben. Serviert in einer Schale mit Löffel. Somit wurde der Verkaufswagen schnell zur Anlaufstelle der Touristen und Einheimischen. Den Kunden flogen Jürgens knorrige und lustige Sprüche um die Ohren. Norddeutsch fröhlich versteht sich. Sie liebten es.
Genau hier findet sich die Quintessenz der Gosch Story wieder. Nicht der schnöde Mammon war der Antrieb. Es war die Vision etwas zu schaffen, was es noch nicht gab. Er tat das, was er liebte. Voller Leidenschaft und mit so großer Hartnäckigkeit, dass der Erfolg kommen musste. Fünf Stunden Schlaf war ihm zuviel.

Ende der 70er begann „Gosch“ so etwas wie eine Marke zu werden. In den Metropolen auf dem Festland versuchte er offensichtlich mit eigenen Ständen sein Konzept des Fischbrötchenverkaufes zu etablieren. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn der wahre Ansporn war – und ist einer der Gründe, warum über Jürgen Gosch kaum ein böses Wort gesprochen wird – dass auf Sylt damals die Saison Ende August vorbei war. Seine Angestellten gingen Anfang September in die Arbeitslosigkeit. Für ihn, als erfolgreichen und sehr sozial eingestellten Unternehmer, kein Zustand. Und so etablierten sich die mobilen Fischbuden bis Mitte der achtziger Jahre bundesweit. Aus dem kleinen Familienbetrieb wurde langsam eine mittelständische Firma. In den 80ern geht es Schlag auf Schlag. Die Basis in List wird vergrößert und ein erstes Gosch-Geschäft eröffnet in Westerland. Seine Erfahrungen mit den saisonalen Verkaufsständen zeigen ihm auf, dass er eine hohe Frequenz an Besuchern braucht, um gewinnbringend zu arbeiten. Hotspots, wie zum Beispiel an Bahnhöfen, erscheinen ihm sinnvoll. Als die 90er Jahre anbrechen, gibt es Standorte in Hamburg, Bremen, Stuttgart, Berlin und natürlich auf der Insel. Die Beliebtheit der Marke steigt unaufhörlich. Um dem Ansturm gerecht zu werden, baut er in Tellingstedt eine Produktionshalle. Die permanente Modernisierung der Produktion, offenbart den professionellen Anspruch. Seinen Humor hat er immer behalten. In St. Pauli eröffnete er die “Sündigste Fischbude der Welt”

Als er in Wenningstedt begann, ein riesiges Verkaufsgebäude zu bauen, wurde vielen und vielleicht auch ihm erst bewusst, welches Ausmaß sein Imperium angenommen hatte. Doch im Gegensatz zu anderen Prachtbauten, die auf der Insel errichtet werden, hielt sich die Kritik der Inselbewohner im Rahmen. Zu wertgeschätzt wurde seine Persönlichkeit. Mit seinem neuen, 2021 eröffneten Restaurant „Jünne“, erfüllte er sich dann noch einen späten Lebenstraum. Seinen Auspruch „Jeder der ein Fischbrötchen kauft, ist für mich prominent.“ ist authentisch und wohl auch das Geheimnis seines Erfolges.

Privat hört man wenig über den Gastonomen, der sich Weltmeister im Krabbenpulen nennen darf.. Dies liegt natürlich auch daran, dass der Workaholic kaum Freizeit kennt. Kaum Schlaf – ein Sprint im Marathonformat. Mit seinen knapp 80 Jahren steht er immer noch seinen Mann im Geschäft und hat mittlerweile einen Haufen Preise gewonnen. „Wirt des Jahres“ „Service Champion“ „Marke des Jahrhunderts“. „Deutscher Gastronomiepreis“ für sein Lebenswerk.
 
Als Jürgen Ende der 60er die Investion eines Aalkorbes in Höhe von 16 Mark tätigte, schaffte er es an einem Tag auf 80 Mark Umsatz zu kommen und erreichte den „Break-Even-Point“ recht schnell. Heute macht sein Unternehmen achtzig Millionen Euro Umsatz im Jahr und wir Sylter sind stolz darauf, ihn hier zu haben!

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